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Kritiken

Kieler Nachrichten vom 13.01.2015

Dramatik und Leidenschaft des puren Flamencos

Ex-Kielerin Sarah Marleen tanzte im Kulturforum

Kiel. Großes Kino im Kulturforum: Feuer, Leidenschaft, dramatische Gefühle und tiefe Tragik, das waren die Ingredienzien, mit denen die Tänzerin Sarah Marleen und ihre Begleiter in ihrer Flamencoshow am Sonntagabend ihr Publikum begeisterten.
Von Hannes Hansen

Der Flamenco ist die gro'e Leidenschaft der aus Kiel stammenden und seit Jahren in Sevilla, der Hauptstadt des Flamenco, lebenden Kielerin. Sie hat bei den besten Tänzerinnen Andalusiens studiert und sich in einem Milieu durchgesetzt, das für die vorurteilslose Aufnahme von Ausländern in den inneren Kreis seiner Kunst nicht eben bekannt ist.
Im Vergleich zum Programm des vorigen Jahres war Sarah Marleens Tanz dieses Mal stärker klassisch, in Richtung des "flamenco puro", des "reinen" flamenco geprägt. Einer Musik- und Tanzform also, die inzwischen zum immateriellen Kulturerbe der Unesco zählt. Der "neue" Flamenco mit seinen Anleihen bei Blues, Jazz und unterschiedlichsten Formen von Weltmusik dagegen ist Sarah Marleens Sache nicht. Dss dessen Anbiederrung an einen vermeintlichen Massengeschmack auch gar nicht nötig ist, bewies die Reaktion der Kieler auf den angekündigten Auftritt der Tänzerin und ihrer Truppe: Wie schon im vorigen Jahr war das Kulturforum bis zum letzten Platz besetzt.
Eine eher fröhliche Alegría zum auftakt genügte, um das erwartungsfrohe Publikum in Stimmung zu versetzen und auf Betriebstemperatur zu bringen. Im restlichen Programm aber bevorzugte Sarah Marleen wie meist auch ihre Begleiter, der Gitarrist Javie Gómez und die Sänger David Bastidas und Juan Reyes "Juanillo", die "großen", die ernsten und tragischen Formen des Flamenco. In der schwarzroten "bata de cola", dem eng anlegenden Kleid mit der rüschenbesetzten langen Schleppe, entzündete sie mit einem Tarantos, einer dieserr großen Formen, auf der Bühne ein wahres Feuerwerk. Im Wechsel der Statuarik einer wie von einem Bildhauer geformten Skulptur mit wirbelndem Farbenrausch schuf sie hochdramatische Bilder. Die Füße markierten im schnellen Zapateado, dem andalusischen Steptanz, den Rhythmus, die Hände schienen bei aller Strenge der Bewegung ganz eigene Geschichten von Leidenschaft und überschäumenden Gefühlsausbrüchen zu erzählen. Sarah Marleen ließ sie wie aufgescheuchte Vögel flattern, wie die Schwingen eines zustoßenden Raubvogels drohen und im wechsel zu hochdramatischen Gesten erstarren. Kalte Glut und loderndes Feuer dagegen bei einer Soleá, getanzt in schlichtem schwarzen Kleid.
Die expressiven Gesangseinlagen der sich in Tonlage und Timbre ergänzenden Sänger, ihre im klassischen Sinne nicht "schönen", dafür ausdrucksstarken Melodien mit den immer an arabische Musik erinnernden minimalen Intervallen und die zwischen perlenden Läufen und virtuosem Akkordwirbel wechselnde Gitarre Javier Gómez' trieben Sarah Marleen zu Höchstleistungen an. Und weil die drei Musiker auch als Solisten mit eigenständigen Beiträgen überzeugten, war der Erfolg des abends in Kiel wie schon in den vorherigen Jahren garantiert.





Kieler Nachrichten vom 07.01.2014

Flamenco ohne Grenzen

Die einstige Kielerin Sarah Marleen tanzte ihr erstes Soloprogramm im ausverkauften Kulturforum

Kiel. Vor zwei Jahren war die in Sevilla lebende Sarah Marleen, die in Kiel die ersten Schritte auf dem Weg zur professionellen Flamencotänzerin gegangen ist, schon einmal zu Gast im Kulturforum. Ihr Auftritt. damals noch im Duo mit einer Kollegin, hat bei den Kieler Flamencofreunden einen bleibenden, tiefen Eindruck hinterlassen. Jedenfalls mussten bei der Präsentation ihres Soloprogramms "Mi Flamenco" einige enttäuschte Besucher abgewiesen werden, weil das Kulturforum bis zum letzten Platz gefüllt war.
Von Hannes Hansen

Sarah Marleen und ihre Begleiter, die Sängerin Rosi Navarro "La Divi" und der Gitarrist Javier Gómez, hielten was sich die erwartungsfrohen Besucher erhofft hatten. Ihr durchdachtes, durchchoreografiertes Bühnenprogramm ignorierte schlicht die Grenzen zwischen einem "Flamenco puro", dem "reinen Flamenco", wie ihn sich die Traditionalisten erhoffen, und dem "neuen" Flamenco, der mehr und mehr die Bühnen selbst in Andalusien erobert. Sarah Marleen begann, in strenges Schwarz Weiß gekleidet, mit einer Siguiriya. Ernst, kalt wie der Tod und heiß wie das Höllenfeuer zelebrierte sie, ausdrucksstark zwischen gezügelter Leidenschaft und expressiven Eruptionen wechselnd, die typischen Themen dieser "großen" Form des Flamenco wie Verzweiflung, Wut, Zorn oder Eifersucht. Körperdrehungen und -wendungen, dazu das Spiel der Hände in bewegter Gestik und der zwischen rasendem Tempo und verhaltenem Zögern changierenden Zapateado, der Flamencoversion des Steptanzes, bestimmten diesen und die weiteren Tänze. Dazu passten Gesangs- und Gitarrenbegleitung. Begabt mit einer voluminösen Stimme, mit der man gleichwohl Glas schneiden könnte, befeuerte Rosi Navarro die Tänzerin, trieb sie mit kurzen, knappen Zwischenrufen, den Jaleos, zu emotionalen Höhepunkten an, während Javie Gómez bei seinem rhythmisch akzentuierenden Akkordspiel seine Fingerfertigkeit bewies.












































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